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Alles im Körper hängt zusammen

Aktualisiert: 2. Dez. 2023

Bin ich bei einem meinen Pferdepatienten, und führe mit den Besitzern das sog. Erst- oder Anamnesegespräch, frage ich natürlich die standardisierten Fragen, wie beispielsweise: Wie viel Bewegung hat das Pferd? Welcher Sport wird mit dem Pferd betrieben? Wie sieht ein Tagesablauf etc. aus, kommen für mich im Laufe des Gesprächs jedoch weitere Fragen hinzu. Denn für mich ist, aufgrund all meiner Aus- und Weiterbildungen, klar, dass alles im Körper zusammenhängt und mir gewisse Auffälligkeiten, die für den Besitzer nicht relevant erscheinen, für meine Behandlung einen maßgeblichen Aspekt bilden.


Berichtet mir also beispielsweise der Besitzer, dass das Pferd sich immer wieder fest macht beim reiten oder leichte Taktunreinheiten zeigt, gilt es für mich hier weiter nachzuhaken.


Und dies hat auch einen bestimmten Grund, auf den ich gleich noch zu sprechen komme.


So frage ich den Besitzer, aufgrund seiner Aussage, wie sich das Pferd denn beim Putzen verhält? Ob es evtl. begonnen hat sich Berührungen an bestimmten Bereichen zu entziehen oder ob es die Ohren anlegt, kommt man an eine bestimmte Körperregion. Zusätzlich frage ich ebenso ab, ob ggf. weitere Probleme vorherrschen, wie beispielsweise Kotwasser, Durchfall etc.


Für mich ist es von einem unfassbaren Wert, das Pferd als ganzes zu sehen und auch zu analysieren. Denn wie in der Überschrift geschrieben: „Alles im Körper hängt zusammen“.


Organische Dysbalancen beispielsweise können sich bereits frühzeitig über kleinste körperliche und verhaltenstechnische Veränderungen bemerkbar machen. Berichtet mir beispielsweise der Besitzer, dass wenn er sein Pferd im Lendenbereich putzt, dass er dann direkt beginnt mit dem Schweif zu schlagen und in die Luft zu schnappen, so ist dies ein erstes Indiz dafür, dass etwas nicht passt. Kommt dann noch, im Laufe des Gesprächs hinzu, dass der Besitzer mir sagt, dass das Pferd seit längerer Zeit immer wieder an Kotwasser leidet, setzen sich für mich die Puzzleteile zusammen. Denn ich orientiere mich, u.a., an den sog. Head’schen Zonen (auch Dermatome genannt).


Und diese Head’schen Zonen sind den Besitzern meist nicht bekannt und sie stehen vor ihrem „kranken“ Pferd mit einer Vielzahl von Symptomen. Ich möchte hier aber einen Einblick verschaffen, wie auch du es als Besitzer schaffst, dir die entsprechenden Puzzleteile, zumindest ein Stück weit, selbst zusammensetzen kannst und dadurch deinem Pferd bereits ein Stück schneller helfen kannst.


Zuerst einmal schauen wir uns an, was eigentlich diese Head’schen Zonen bzw. Dermatome sind. Dies sind Hautareale des sog. „übertragenden Schmerzes“. Hierbei handelt es sich um Hautabschnitte, die eine nervale Beziehung zu bestimmten inneren Organen haben. Die ERkrnkung eines Organs führt dann zu Schmerzen im korrespondierenden Hautgebiet. Das bedeutet, also dass der Körper sowohl von innen nach außen und umgekehrt in Verbindung steht.


Dieser übertragene Schmerz entsteht durch die Projektion von sog. somatosensorischen Afferenzen der Haut und viszersensibler Afferenzen aus den Organen die gemeinsam ins Rückenmark verlaufen. Somit spricht man in der Fachsprache von neuronaler Konvergenz. Durch eine Reizung der Viszero Nozizeptoren wird eine Weiterleitung an das verknüpfte Dermatom (Head’sche Zone) zugeordnet.


Hat das Pferd beispielsweise mit dem Magen ein Problem, so wirst du es an Fellveränderungen oder an dem Verhalten deines Pferdes bemerken, wenn du ihm am 8.Brustwirbel berühren oder putzen möchtest. Denn diese Hautzone steht mit dem Magen in Verbindung.


Das bedeutet also, dass der Körper über nervale Vernetzungen sowohl mit der Außenwelt kommunizieren. Bemerkst du beispielsweise Fellveränderungen an einer gewissen Körperstelle, nehmen wir beispielsweise das Knie, so wirst du beispielsweise beim Putzen bemerken, dass wenn du den Rücken striegelst, dein Pferd auf Höhe seiner Flanke das nicht gerade gut findet, denn auch hier besteht eine nervale Verbindung.


Doch diese nervalen Verbindungen sind nicht nur von Organen zur Haut, sondern auch zu Muskeln etc. Dies würde jedoch den Rahmen sprengen von diesem Beitrag.


Zurück zu den Head’schen Zonen. Auf der Abbildung siehst du ein Pferd, in dem ich die Head’schen Zonen ein gemalt habe.



Abb. Head’sche Zonen (sog. Dermatome) des Pferdes.

Alles hängt zusammen. Ebenso wie bei uns Menschen. Und Wirbelblockaden können meistens auch Auswirkungen auf die Gliedmaßen des Pferdes haben. Beispielsweise leidet das Pferd an einer Wirbelblockade im Halsbereich, kann es sein, dass dies sich in Taktunreinheiten bemerkbar macht.


Dies soll dir deutlich machen, dass alles miteinander in Verbindung steht und letztendlich zusammenhängt. Du hast beispielsweise immer wieder Taktunreinheiten bei deinem Pferd und die bisherigen Therapeuten und Tierärzte haben sich immer nur, beispielsweise auf eine gereizte Sehne, festgelegt? Dann bringt du doch einmal den Impuls, ob es nicht sein kann, dass die Ursache hierfür im Inneren liegt bzw. über eine nervale Verbindung von einer anderen Stelle im Körper kommen könnte. Schau dir gerne hierzu die Abbildung an.


Um das ganze noch einmal zu verdeutlichen, möchte ich dir hierfür ein Beispiel nennen.


Wir haben ein Pferd, 8 Jahre alt, erfolgreich im Springsport. Doch immer wieder machen sich kleine Traktunreinheiten vorne links bemerkbar. Das Pferd findet es auch nicht wirklich angenehm, wenn man ihm beim Putzen über die Schulter streicht. Es kommen sofort diverse Abwehrreaktionen.


Dieser Schulterbereich (Abb. orange), steht u.a. in der nervalen Verbindung zu dem Oberhals wie aber auch zu dem Organ Herz. Das bedeutet jetzt nicht, dass das Herz einen größeren Defekt hat, dies kann beispielsweise sein, aufgrund einer Verspannung das dieses sich nicht mehr vollständig ausdehnen kann und dadurch in seiner Funktion reduziert ist.

Behandelt man jedoch diese Head’sche Zone, beispielsweise durch eine manuelle Therapie, so kann sich auch das Organ wieder freier bewegen.


Ein anderes Beispiel wäre, dass uns ein 16 Jähriger Wallach vorgestellt wird, der v.a. in Herbst / Winter an Durchfällen leidet. Dies kann natürlich zum einen eine Fütterungsthematik beinhalten, aber auch die, dass wenn er eine Fellveränderung, beispielsweise hinteren Rückenbereich (Übergang Brust- zur Lendenwirbelsäule), zeigt und hier auch recht fest ist. Wendet man hier beispielsweise eine manuelle Therapie oder Massage an, so kann sich auch der organische Teil regulieren und der Durchfall sollte verschwinden. Wie gesagt, natürlich spielen v.a. bei Durchfall mehrere Faktoren mit rein. Dies soll nur als Denkanstoß gelten.


Mein Tipp an dich: beobachte dein Pferd genau. Und zwar jeden Tag. Beginne gewisse Verhaltensthemen zu hinterfragen. Frage dich selber, ob dein Pferd, dies shcon immer gemacht hat oder ob dies erst seit kurzem der Fall ist. Frage dich, ob es zusätzliche Themen gibt, die erst seit kurzer Zeit aufgetreten sind. Beobachte dein Pferd und lerne seine Sprache kennen und dadurch wirst du schneller zum Ziel kommen und dein Pferd kann gesunden.


Übrigens, wenn du interesse daran hast, herauszufinden, was du deinem Pferd Gutes tun kannst, oder wie du ihm durch tägliche Einheiten zu mehr Wohlbefinden verhelfen kannst, dann schau hier direkt zu unser eBook "Pferdephysio-Hacks für Besitzer" an. Hier bekommst du verschiedene Übungen, damit du dein Pferd Präventiv unterstützen kannst und eine Rehabilitation vorbeugen kannst.


Bis dahin, alles Liebe


Deine Sina



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