
"Mein Pferd zickt immer beim Satteln!"
- AnimalMotionAcademy

- vor 5 Tagen
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Diese Aussage höre ich des öfteren, wenn ich zu Kunden komme. "Mein Pferd "zickt" immer, wenn ich den Sattelgurt anlegen will. Der soll sich mal nicht so haben, ich mach doch auch schon den Sattelgrut nur leicht fest, damit es nicht gleich so ein eng ist."
Diese und weitere Aussagen kennen vermutlich mehrere Pferdetherapeuten. Doch auch hier ist es immer so, dass das Pferd seinen Besitzer nicht ärgern will oder keine Lust auf die Arbeit hat, sondern viel mehr, dass das Pferd sich entsprechend nicht zu helfen weiß. Es hat Schmerzen bzw. ein Unwohlsein in sich, und das tut es kund. Nur die meisten erkennen dies nicht. Überwiegend, abgesehen von unpassendem Equipment, rückt hier ein Muskel mit ins Visir. Btw., natürlich sind hier eine Reihe von Muskeln mitbeteiligt, jedoch möchte ich hier auf genau einen tiefer eingehen.
Und zwar spreche ich hier vom M.rectus abdominis, also der gerade Bauchmuskel.
Warum steht hier also der M.rectus abdomins im Vordergrund?
Dies ist recht einfach zu erklären. Er verbindet den Brustkorb und das Becken direkt miteinander. Dadurch reagiert er sensibel auf Beckenfehlstellungen. Er steht bei einem Beckenschiefstand häufig unter einer einseitgen Dauerkontraktion. Und genau dieser Muskel löst dann oft diese Abwehrreaktionen beim Satteln,, Gurten oder sogar beim Berühren des Bauches aus.
Schauen wir uns das ganze einmal theoretisch an:
Dieser Muskel hat seinen Ursprung am Brustbein und auch an ca. 4.-8.Rippenknorpel. Er setzt am Schambein an, genauer gesagt am Pecten ossis pubis, also einem Teil des Beckens.
Wichtig an dieser Stelle zu sagen ist, dass der Muskel das Hüftgelenk nicht überspannt, jedoch verbindert er den Brustkorb und das Becken funktionell. Was bedeutet, dass jede Asymmetrie im Becken sich direkt auf seine Spannung auswirkt.
Doch wie genau hängt jetzt die "schiefe Hüfte" mit dem Bauchmuskel zusammen?
Wenn das Becken
rotiert
einseitig nach vorne / hinten kippt
oder funktionell "blockiert" ist
dann passiert Folgendes:
die eine Seite des M.rectus abdominis wird verkürzt,
die Gegenseite hingegen wird üebrdehnt
der Muskel kann nicht mehr loslassen
es entsteht eine Dauerstapnnung
Für das PFerd fühlt sich dies dann an wie ein permanentes "Festhalten", ein Druck im Bauchbereich, seine Atmung wird beeinträchtigt und es erzeugt bei jeder Berührung Stress.
Und warum genau macht sich das so direkt beim Satteln oder beim Bauchkontakt bemerkbar?
Beim Sateln wird der Brustkorb minimal angehoben. Dadurch entsteht ein Zug auf den M.rectus abdominis. Beim Angurten wird der Bauch komprimiert. Und wird der Bauch berührt, wird ein ohnehin schon verspannter Muskel weiter stimuliert. Du denkst das kann doch gar nicht sein, wenn ich nur leicht über den Bauch streichle, dann kann das Pferd das doch gar nicht so krass wahrnehmen? Dann hier ein kleiner Gedanken-Impuls: Überlege dir doch einmal, was dein Pferd macht, wenn sich eine Fliege auf sein Fell setzt? Genau es zuckt, damit die Fliege wieder von ihm verschwindet. Und Funfakt: eine Fliege wieder gerade einmal zwischen 0,1 - 0,3 Gramm.
Und allein das bloße Berühren mit deiner Hand hat schon mehr Gewicht als eine Fliege.
Aber schauen wir weiter:
Der Muskel wird also durch Satteln, Angurten oder Berührung "stimuliert". Jedoch kann dieser nicht ausweichen und das Pferd versucht sich zu helfen um dem Schmerz zu entgehen, indem es:
Wegdrückt
Anspannt
Schnappt
Ohren anlegt
"Zickig" ist
Wichtig ist hier auch anzumerken, dass es sich hier um kein Verhaltensproblem handelt, sondern um eine körperliche Schutzreaktion.
HInzukommen hier auch die schrägen Bauchmuskeln, also der M.obliquus abdominis internus & externus.
Diese sind ebenfalls beteiligt an:
Beckenstabilität
Seitneigung
Rotation
Sie sind ebenfalls bei einem Beckenschiefstand oft mitverspannt und die verstärken auch das Problem. Jedoch sind sie nicht der Hauptauslöser. Bedeutet: Die schrägen Bauchmuskeln arbeiten mit - der gerade Bauchmuskel (M.rectus abdominis) leidet am stärksten.
Was kannst du also tun?
Eins vorweg: Hier wird nicht manipulativ gearbeitet, nicht "eingerenkt", und nicht gedrückt. Das Ziel ist es, die Spannung zu reduzieren und nicht zu korrigieren. Das Korrigieren sollte einem Therapeuten überlassen werden.
Sanfte-Bauchmuskel-Entspannung
Dies kannst du gerne durchführen, bis zu dem Tag, an dem dein Therapeut kommt.
Du stellst dich seitlich zu deinem Pferd mit Blick zum Bauch deines Pferdes. Du selbst stehst etwa hinter dem Ellenbogen.
Lege nun deine Hände sanft und ohne Druck auf dem M.rectus abdominis (siehe Bild). Tue zuersteinmal nichts!
Dann warte die Atmung deines Pferdes ab. Sobald dein Pferd einen Atemzug wieder macht, gehst du leicht mit in die Bewegung rein. Klappt das, kannst du Beginnen ganz sanft nach vorne in Richtung Brustkorb bei jeder Ausatmung entsprechende Impulse zu setzen. Nicht Drücken!
Ein Zeichen das es wirkt ist, wenn dein Pferd den Kopf senkt, abkaut, die Atmung tiefer wird und der Bauch minimal nach gibt.
Wichtig:
Diese Technik ersetzt keine physiotherapeutische / osteopathische / tierärztliche Behandlung. Sie hilft dem Pferd, Spannung loszulassen, bis man das Becken wieder in die Balance bringen kann.







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