
Wie ein verspannter Kaumuskel die Atmung deines Pferdes beeinträchtigen kann
- AnimalMotionAcademy

- vor 5 Tagen
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Der ein oder andere kennt es vielleicht: das Pferd bringt nicht die Leistung die es sonst erbrachte. Aufmerksame Besitzer lassen dies dann entsprechend tierärztlich bzw. therapeutisch abklären. Doch meist ist die Aussage: es ist alles in Ordnung.
Doch wer genauer hinschaut weiß, dass es dies nicht ist. Es geht hier vielmehr darum, sich tiefer mit dem ganzen System zu befassen und v.a. als Therapeut noch tiefer zu blicken. Denn der Grund hierfür könnte ein verspannter Kiefermuskel (genauer gesagt der M.masseter) sein.
Tauchen wir gemeinsam in die Anatomie und die funktionalen Ketten ein:
Der M. masseter beim Pferd ist ein starker Kaumuskel, der am Jochbogen (Arcus zygomaticus) entspringt und am Unterkieferast (Ramus mandibulae) ansetzt, um den Kiefer zu schließen und seitwärts zu bewegen, wobei er vom Nervus massetericus innerviert wird; er besteht aus oberflächlichen und tiefen Anteilen, die zusammenarbeiten, um Nahrung zu mahlen und den Kiefer zu fixieren.
Der Nervus massetericus: Ein Ast des Nervus mandibularis (Unterkiefernerv), der wiederum ein Ast des Trigeminusnervs (Nervus trigeminus, V3) ist.
Und dadurch teilt er sich teilt sich eine neurologische Verbindung mit deinem Zwerchfell und Beckenboden. Denn diese sind alle durch die gleichen Faszialenketten und Nervensystembahnen verbunden.
Was passiert also, wenn der Kiefer unter Dauerspannung steht?
Das Zwerchfell kann sich nicht vollständig ausdehnen und reduziert den Sauerstoff um bis zu 30%. Der Beckenboden kompensiert dies, indem er eine Überstraffung hervorbringt, wodurch eine untere Rückenspannung entsteht.
Die gesamte Verbindung wird starr statt ansprechbar
Und genau hier beginnt ein Dominoeffekt:
enger Kiefer → flache Atmung → schwacher Kern → schlechte Haltung
Das ganze kann man auch wissenschaftlich erklären, und zwar:
Eine anhaltende Afferenz aus dem Trigeminusgebiet (z. B. durch Hypertonus des M. masseter) moduliert über Hirnstammkerne die Aktivität des N. vagus und damit die Zwerchfellfunktion. Eine gestörte Zwerchfellmechanik verändert über fasziale, druckregulatorische und vegetative Kopplungen die neuromuskuläre Kontrolle des Beckenbodens (pelvine Nervenplexus). Die daraus resultierende Dyskoordination im thorako-abdominopelvinen Drucksystem führt zu einem „Verlust“ der Rumpfstabilität und kann sich beim Pferd als funktioneller Haltungskollaps äußern.
Bedeutet also:
Trigeminus (Kiefer)
M. masseter → N. trigeminus (V3)
Starke Afferenzen zum:
Nucleus spinalis n. trigemini
Format reticularis
Enge Kopplung an:
Atemzentren
vegetative Steuerung
➡️ Ergebnis: Dauerhafte Kieferspannung = veränderter Hirnstammoutput
Vagus & Zwerchfell
Hirnstamm moduliert:
vagale Aktivität
phrenische Motoneurone
Folge:
reduzierte Zwerchfellexkursion
veränderter intraabdomineller Druck
Funktionell:
Sympathikotonus ↑
Atemtiefe ↓
Beckenboden / pelvine Nerven
Zwerchfell und Beckenboden arbeiten als Drucksynergie
Gestörte Zwerchfellbewegung →
reflektorische Beckenbodenfehlspannung
veränderte Afferenz aus:
Plexus sacralis
Nn. pelvici
➡️ Verlust feinmotorischer Stabilisation der Hinterhand
Haltungskollaps
Ergebnis:
verminderte Rumpfspannung bei gleichzeitiger muskulärer Überaktivität
fehlende Kraftübertragung von Hinter- zu Vorderhand
Klinisch sichtbar als:
„Auseinanderfallen“
Vorhandlastigkeit
fehlende Selbsthaltung
Eingeschränkte Leistungsfähigkeit
Das bedeutet also letztendlich, dass das Zwerchfell hoch bleibt, das Becken sich nach vorne neigt und somit für eine entsprechend angepasste Haltung an diese Situation sorgt.
Denn ist der Kiefer entspannt, kann sich das Zwerchfell physiologisch bewegen, das Becken stabilisiert sich und die Wirbelsäule dekomprimiert.
Viele Pferde versuchen diese Fehlhaltung zu entgehen, indem die Schultern sich fest machen. Jedoch entsteht hier, wie oben genannt, unter anderem eine Vorhandlastigkeit.
Viele arbeiten dann an der Vorhandlastigkeit, jedoch ist das so, wie wenn man das Dach behandelt, jedoch das Fundament, welches Probleme macht, nicht anrührt.
Was kann man also machen? Ganz simple: den Kiefermuskel durch gezielte Techniken lösen.







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